Wo die Liebe zum Pflegeberuf entsteht

Besuch bei der International School of Nursing Berlin

Woher kommen die Menschen, die künftig in Pflegeheimen, Krankenhäusern oder Einrichtungen für Menschen mit Behinderung arbeiten sollen? Diese Frage beschäftigt Politik und Gesellschaft – vor allem angesichts des wachsenden Fachkräftemangels. Während viele noch diskutieren, handelt eine Frau in Berlin bereits: Jane Saidi, Gründerin und Schulleiterin der International School of Nursing Berlin (ISNB).

Im April 2025 verabschiedete die ISNB am Charlottenburger Ernst-Reuter-Platz ihren ersten Jahrgang – 23 Absolventen aus Ländern wie Simbabwe, Nigeria, Pakistan oder Vietnam. Mit dabei: Aldona Niemczyk, CDU-Abgeordnete im Berliner Abgeordnetenhaus. Sie gratulierte persönlich und würdigte das Projekt als gelebtes Beispiel für Integration und praxisorientierte Lösungen gegen den Pflegenotstand.

Aus der Begegnung entstand ein intensives Gespräch zwischen Saidi und Niemczyk. Themen waren unter anderem der Auswahlprozess internationaler Pflegekräfte, deren Motivation und der Weg in eine langfristige berufliche Zukunft in Deutschland. Saidi, selbst ausgebildete Pflegekraft mit Forschungsschwerpunkt auf Rassismuserfahrungen, betont: "Die Herausforderungen enden nicht mit dem Abschluss – auch für die Patienten ist es nicht leicht, sich als hilfsbedürftig zu zeigen." An ihrer Schule wird deshalb nicht nur Wissen vermittelt, sondern auch Empathie und Haltung – Werte, die im Alltag der Pflege entscheidend sind.

Der Auswahlprozess an der ISNB beginnt früh. Bewerber aus dem In- und Ausland durchlaufen Sprachkurse, viele bringen bereits Abschlüsse oder Berufserfahrung mit. Zusätzlich setzt die Schule auf psychometrische Verfahren, um Motivation, Belastbarkeit und Eignung zu erkennen. Denn es geht nicht nur um fachliches Können, sondern auch um persönliche Haltung – um Menschen, die im Beruf bleiben wollen, nicht nur kurzzeitig aushelfen.

Oft finanzieren die Bewerber ihre Vorbereitung selbst – ein erhebliches Risiko. Deshalb fordert Niemczyk mehr politische Unterstützung. "Wer so viel investiert, darf nicht scheitern, weil Strukturen fehlen", sagt Niemczyk. Für sie ist klar: Projekte wie die ISNB brauchen politische Rückendeckung – durch schnellere Anerkennungsverfahren, gezielte Förderung und bessere Ausstattung.

Berlin verfügt über 45 Pflegeschulen, doch es fehlt an Räumen, Lehrkräften und finanzieller Stabilität. „Wir brauchen nicht nur mehr Ausbildungsplätze, sondern auch nachhaltige Förderung“, so Niemczyk. Besonders wichtig sei ihr, dass Integration über den Unterricht hinaus gedacht werde. "Pflegekräfte müssen in unserer Gesellschaft ankommen – ohne Rassismus, ohne Angst."

Die Realität zeigt jedoch: Diskriminierung bleibt ein Problem. Internationale Pflegekräfte berichten von Vorurteilen, fehlender Unterstützung und Abwertung im Arbeitsalltag. Deshalb braucht es ein Umfeld, das Lernen, Arbeiten und Leben ermöglicht – sicher, unterstützend, anerkennend. Gleichzeitig muss das Berufsbild Pflege aufgewertet werden: durch faire Bezahlung, echte Anerkennung und transparente Karrierewege. Denn Pflege ist weit mehr als körperliche Hilfe – sie ist Beziehung, Vertrauen und Verantwortung.

Jane Saidi fasst es treffend zusammen: „Pflege ist nicht nur Hilfe, sondern Haltung.“ Und Niemczyk ergänzt: „Wir müssen zeigen, dass wir die Menschen, die diese Verantwortung übernehmen, wirklich wertschätzen.“

Es ist Zeit für eine ehrliche Debatte: Wie viel ist uns gute Pflege wert – und was tun wir, damit Menschen gerne und langfristig in diesem Beruf bleiben?


 

Herr Frau
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